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Der Märzenbecher – ein Kleinod im Frühlingsgarten

Aktualisiert: vor 5 Stunden

Steckbrief Märzenbecher

Andere Bezeichnungen: Märzglöckchen, Frühlingsknotenblume

Pflanzenfamilie: Amaryllisgewächse

Blütezeit: Anfang März bis Anfang April

Höhe: 10 bis 30 cm

Blätter: glänzend grün, etwas breiter als beim Schneeglöckchen

Blüte: weiß, glockenförmig, mit zipfelig auslaufende Blütenspitzen, jeweils mit gelbgrünem Fleck

Duft: veilchenartiger Blütenduft

Aussehen: ähnlich wie das Schneeglöckchen, aber insgesamt größer

Giftigkeit: in allen Teilen giftig

Naturvorkommen: lichte Laubwälder, Auwiesen, Feuchtigkeitsanzeiger

Historisches: Pflanze wurde früher bei Herzerkrankungen eingesetzt



Früher konnte man Märzenbecher bei einem Frühlingsspaziergang noch häufiger in Gärten und Vorgärten erspähen als heute. Täuscht dieser Eindruck oder werden Märzenbecher tatsächlich immer seltener?


Märzenbecher lieben gut mit Feuchtigkeit versorgte, nährstoffreiche und humose Böden. Einfluss auf den Rückgang könnte das trockener und wärmer werdende Klima haben, weil sich dadurch die Standortbedingungen für diese Zwiebelpflanze verschlechtern. Lässt sie das zu einer Gartenrarität werden? Die Witterung wird kaum die alleinige Ursache sein. Sicher spielen auch die Vorlieben heutiger Gärtner eine Rolle - Gartengewächse sollen möglichst unkompliziert und pflegeleicht sein. Aber Märzenbecher sind zauberhafte Frühlingsblumen und allemal die Mühe wert, sie im eigenen Garten zu etablieren.


Der echte Märzenbecher wird auch als Frühlingsknotenblume bezeichnet. Es gibt noch eine weitere Art: die Sommerknotenblume (Leucojum aestivum). Dieses Zwiebelgewächs blüht später, wird etwas größer und hat gleich 2 bis 6 Blütenglöckchen je Blütenstiel. Hinsichtlich Feuchtigkeit ist die Sommerknotenblume weniger anspruchsvoll. Deshalb kann sie leichter kultiviert sowie vermehrt werden und wird daher auch eher angeboten. Wollen Sie echte Märzenbecher im Handel erwerben, sollten Sie genau hinschauen und sich am besten zusätzlich über den lateinischen Namen orientieren – der lautet: Leukojum vernum. Der botanische Name für den Märzenbecher leitet sich ab von den griechischen Begriffen „leukos“ für weiß und „ion“ für Veilchen, außerdem vom lateinischen „ver“ für Frühling.


Der Märzenbecher ist eine heimische Pflanze. In einigen wenigen Regionen in Mittel- und Süddeutschland gibt es noch große Naturvorkommen des Märzenbechers, die in jedem Frühjahr Liebhaber dieses Zwiebelgewächses anziehen. Sich aus natürlichen Beständen Märzenbecher zu besorgen, kommt auf keinen Fall in Frage, denn nach Bundesartenschutzverordnung ist der Märzenbecher besonders geschützt und darf in der Natur weder gepflückt noch ausgegraben werden. In der Roten Liste Deutschlands wird er in der Vorwarnliste geführt.


Was für ein Glück für Gartenfreunde, wenn der Märzenbecher im eigenen Garten wächst. Welchen Standort benötigt er? Grundsätzlich sollte der Gartenplatz halbschattig sein, im Frühjahr dabei am besten sonnig und im Sommer schattig kühl. Solche Licht- und Temperaturverhältnisse finden sich am ehestens in der Nähe von Sträuchern oder Hecken im Garten. Und wie sollte der Boden beschaffen sein? Der Märzenbecher gedeiht am besten in einem gut mit Feuchtigkeit versorgtem, humosem Lehmboden. Bei nicht idealen Bodenverhältnissen kann man mit Bodenhilfsstoffen wie Bentonit nachhelfen, um die Wasserkapazität zu erhöhen. Mit einer Kompostauflage verbessern Sie den Humusgehalt.


Wie schon erwähnt, sind Zwiebeln des Märzenbechers schwer erhältlich. Bei lose verpackten Zwiebeln ist die Gefahr der Austrocknung sehr groß. Empfohlen wird daher die Vermehrung „in the green“, also im grünen Zustand. Blühen bei einem Ihrer Gartennachbarn gerade Märzenbecher, dann fragen Sie ihn, ob er Ihnen welche abgeben könnte. Da die Zwiebeln des Märzenbechers bis zu 30 cm tief im Boden sitzen können, sollten Sie behutsam vorgehen, um die Pflanze beim Ausgraben nicht zu beschädigen. Die aufgenommenen Zwiebeln sollten Sie etwas verteilt und mindestens 15 cm tief gleich wieder einpflanzen.


Auf diese Weise werden Sie sich in den nächsten Jahren im eigenen Garten an den nostalgischen Blüten des Märzenbechers erfreuen und sich vielleicht sogar einen kleinen Strauß für die Vase holen können.


Die nostalgischen Blüten des Märzenbechers bilden ein geschlossenes Glöckchen, bei dem die sechs gleichlangen Blütenblätter die Staubgefäße und den Stempel umschließen. Der Fruchtknoten sitzt unmittelbar hinter der nickenden Blüte. Wenn der Vorfrühling noch kalt ist und noch keine Bestäuber fliegen, ist die Blüte sogar in der Lage, sich selbst zu bestäuben. Geringste Erschütterungen reichen aus, dass Pollen aus den Staubgefäßen auf die sie überragende Narbe fallen können.


K. Dreischang

Geschäftsstelle LGMV

 
 
 

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